GESCHICHTE

Geschichte der Republikanischen Spanier in Österreich

Nach dem faschistischen Militärputsch von vier Generälen (darunter General Franco) gegen die demokratisch gewählte Volksfrontregierung im Juli 1939 kämpften die republikanischen Spanier für die Aufrechterhaltung der Republik, eines demokratisch legitimierten parlamentarischen Rechtsstaates.
Nach drei Jahren Bürgerkrieg und Flucht nach Frankreich wurden sie dort unter schlimmsten Bedingungen an der südfranzösischen Mittelmeerküste in Lagern interniert. Vor die Wahl gestellt, ins faschistische Spanien zurückzukehren, in der französischen Fremdenlegion zu dienen oder für Frankreich in Arbeitskompanien an der deutsch- französischen Grenze zu arbeiten, entschied sich der Großteil für Letzteres.
Nach dem Einmarsch Hitler-Deutschlands im Jahr 1940 fanden sie sich als Antifaschisten der ersten Stunde an vorderster Front wieder. Von Franco und dessen Außenminister gegenüber Hitler zu Freiwild erklärt, wurden sie über verschiedene „Stammlager“ ab Sommer 1940 ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Dort und in zahlreichen Nebenlagern (v.a. Gusen, Vöcklabruck, Ternberg, Redl-Zipf und Ebensee) fand der Großteil von ihnen den Tod.

Nach der Befreiung des KLM konnten sie wegen des Weiterbestehens der Franco-Diktatur nicht zurück nach Spanien. Der Großteil der überlebenden Häftlinge ging nach Frankreich, aber eine beträchtliche Anzahl von ihnen blieb in Österreich und versuchte, hier ein neues Leben zu beginnen. Sie begannen zu arbeiten, gründeten Familien und hofften – vergeblich- auf ein baldiges Ende der faschistischen Diktatur in ihrer Heimat und somit auf eine mögliche Rückkehr.
Während all der Jahre ihres Exils war ihnen die Erinnerung an den Kampf und das Schicksal der republikanischen Spanier sowie das Gedenken an alle Opfer des Faschismus und Nationalsozialismus ein zentrales Anliegen.
Alljährlich nahmen sie an den Gedenkfeiern im ehemaligen KLM teil, organisierten sich zuerst im Verein OREA und später als österreichische Teilgruppe der in Frankreich agierenden Opfervereinigung FEDIP. Stets in engem Kontakt zu ihren spanisch republikanischen Leidensgenossen in anderen Ländern, beschlossen 1994 die wenigen damals noch lebenden ehemaligen Häftlinge, gemeinsam mit ihren Angehörigen und Freunden, den Verein G.R.S.Ö. (Gedenkverein der Republikanischen Spanier in Österreich) zu gründen. Sie wollten so ihrem Versprechen „Niemals Vergessen“ und ihrem Eintreten gegen revisionistische und neofaschistische Tendenzen in der Gesellschaft mehr Nachdruck verleihen. Der Respekt vor der Trikolore der spanischen Republik, für sie das Symbol ihres Kampfes und Leidensweges, blieb ihnen bis zu ihrem Tod dabei ein großes Anliegen.
Der GRSÖ setzt sich besonders nach dem Tod des letzten der in Österreich lebenden spanisch republikanischen Opfer als Teilorganisation des Mauthausen Komitee Österreich für antifaschistische Gedenkarbeit ein.

 

1939-45  KZ Mauthausen

Nach dem „Anschluß“ Österreichs an das Deutsche Reich vom 12. März 1938 begannen noch im selben Monat die Vorbereitungen für die Errichtung des Konzentrationslagers (KZ) Mauthausen in der Nähe von Linz. Mauthausen war das erste KZ, das außerhalb der Grenzen des „Altreichs“ gebaut wurde. Grund für die Wahl des Standorts durch Heinrich Himmler, Reichsführer der Schutzstaffel (SS) und „Chef der deutschen Polizei“, und durch Oswald Pohl, Chef des Wirtschaftsverwaltungshauptamts (WVHA), waren die nahegelegenen Granitsteinbrüche. Am 29. April 1938 wurde die SS-eigene „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“ (DESt) gegründet, die mit der Produktion von Baumaterial für die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin beauftragt wurde. Sie erwarb die Steinbrüche in Mauthausen, um die Baustoffe durch Häftlinge herstellen zu lassen.

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Am 8. August 1938 trafen 300 deutsche und österreichische Häftlinge aus dem KZ Dachau in Mauthausen ein. Hierbei handelte es sich ausschließlich um „Befristete Vorbeugehäftlinge“, die im Frühjahr und Sommer 1938 in einer Massenverhaftungsaktion von Kriminalpolizei und Geheimer Staatspolizei (Gestapo) als sogenannte Kriminelle und Asoziale festgenommen worden waren. Ende September 1939 stieg die Zahl der Inhaftierten in Mauthausen auf über 2.500 an, als ein Teil der Häftlinge des KZ Dachau wegen der vorübergehenden Schließung des Lagers nach Mauthausen überstellt wurde. Im März 1940 lieferte die SS mehrere hundert polnische Insassen aus dem KZ Buchenwald in Mauthausen ein. Ab Herbst 1941 folgte die Inhaftierung von mehreren hundert Tschechen und republikanischen Spaniern, über 4.000 sowjetischen Kriegsgefangenen und etwa 2.000 jüdischen Häftlingen aus dem „Protektorat Böhmen und Mähren“, Holland und Ungarn.

Die Insassen des KZ Mauthausen arbeiteten zunächst beim Lageraufbau sowie in den Mauthausener und Gusener Granitsteinbrüchen. Trotz der wirtschaftlichen Ausnutzung der Arbeitskraft der KZ-Insassen stand ihre Ermordung eindeutig im Vordergrund. In einem Erlaß vom 1. Januar 1941 von Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamts (RSHA), war Mauthausen als einziges Konzentrationslager „für schwerbelastete, unverbesserliche und auch gleichzeitig kriminell vorbestrafte und asoziale, das heißt kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge“ in die Lagerstufe III eingeteilt worden.

Ab 1942/43 wurden die KZ-Gefangenen aufgrund des Arbeitskräftemangels vermehrt in der Kriegswirtschaft eingesetzt. So mußten die Häftlinge an mehreren Orten große Stollenanlagen errichten, in denen die Flugzeug- und Raketenproduktion unter der Erde fortgeführt werden sollte. Des weiteren arbeiteten sie in Rüstungsbetrieben wie der Steyr-Daimler-Puch AG, Messerschmitt und den „Reichswerken Hermann Göring“ in Linz.

Über 5.000 kranke und geschwächte Insassen des KZ Mauthausen wurden ab August 1941 im Rahmen der „Aktion 14 f 13“ „selektiert“ und in der „Euthanasie“-Anstalt Hartheim umgebracht. Ab März 1942 existierten auch in Mauthausen und dem Nebenlager Gusen Gaskammern sowie ein Gaswagen, in denen bis Ende April 1945 über 4.000 Menschen ermordet wurden. Außerdem tötete die SS zahlreiche Häftlinge bei Massenerschießungen und durch Herzinjektionen. In den Jahren 1943/44 führten Ärzte des Hygieneinstituts der Waffen-SS Ernährungsversuche und Verträglichkeitstests – beispielsweise Impfungen mit Typhus-Impfstoffen und Cholera-Keimen – an den Häftlingen durch.

Im Zuge der „Evakuierung“ der nördlich gelegenen Konzentrationslager ab Frühjahr 1945 wurde Mauthausen ein zentrales Auffanglager. Aufgrund der Überfüllung des Lagers wurden die Lebensmittelrationen drastisch reduziert, Epidemien und ansteckende Krankheiten brachen aus. Tausende kamen so noch in den letzten Kriegsmonaten ums Leben. Trotz der Inbetriebnahme eines dritten Krematoriums in Mauthausen überstieg die Anzahl der Toten die Einäscherungskapazitäten, so daß ein Massengrab für 10.000 Leichen in einer benachbarten Gemeinde angelegt werde mußte.

Mit dem Vormarsch der alliierten Truppen wurden die Nebenlager des KZ Mauthausen Anfang April 1945 geräumt und die Häftlinge auf einen „Todesmarsch“ in Richtung Westen getrieben. Am 3. Mai 1945 verließen die Angehörigen des SS-Kommandanturstabs und die SS-Wachmannschaften das Stammlager und übergaben die Wache einer Wiener Feuerwehreinheit. Zwei Tage später befreite eine amerikanische Panzerpatrouille das Hauptlager.

Zwischen 1938 und 1945 waren etwa 200.000 Menschen aus über 20 Ländern in dem Konzentrationslager Mauthausen und seinen zahlreichen Außenlagern inhaftiert. Ungefähr 100.000 Insassen wurden ermordet oder starben an den Folgen der Haft. 1949 wurde auf dem ehemaligen Lagergelände das „Öffentliche Denkmal und Museum Mauthausen“ eingerichtet.

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